Kirche am Abhang

Mårup Kirke
Das Gotteshaus Mårup Kirke liegt nur noch 10 m von der Abbruchkante entfernt und wird wohl im Laufe der nächsten 5 Jahre herabstürzen. Es zeichnet sich weniger durch Besonderheiten, als vielmehr durch seine gefährdete Lage aus. Bei fortschreitenden Abbrüchen kann es vorkommen, dass Knochenreste auf dem Strand landen. Auf dem Friedhof befindet sich nämlich ein Massengrab mit den Gebeinen von 226 Seeleuten, die hier beim Untergang der englischen Fregatte ‚The Crescent’ im Jahre 1808 ums Leben kamen.
Das absturzgefährdete Gotteshaus Mårup Kirke liegt südlich von Lønstrup. Beim Bau der Kirche im 13. Jh. befand sich diese noch einige Kilometer von der Küste entfernt. Seither hat das Meer unaufhörlich an der Steilküste genagt, sodass die Entfernung zur Kirche jetzt höchstens 30 m beträgt. 

Der äußere Teil des Friedhofs ist bereits in die Tiefe gestürzt. 

Einige Einheimische haben sich jahrelang für den Erhalt der Kirche eingesetzt, jedoch ohne Erfolg. Sollte sich die Entwicklung im gleichen Tempo fortsetzen, wird die Kirche wohl in 10 Jahren verschwunden sein.

Großartige Aussicht

Die Kirche an sich stellt keine Besonderheit dar, vielmehr ist es ihre Lage in dieser rauen Landschaft, die sie so einmalig macht. Von der 40 m hohen Steilküste hat man eine großartige Aussicht auf die Nordsee und – wenn man nach Süden blickt – auch auf die Riesendüne Rubjerg Knude mit dem Leuchtturm. Auch dort wird die Küste stark abgetragen und man fragt sich, wer länger standhalten kann, Leuchtturm oder Kirche. 

Die Küstenabbrüche sind darauf zurückzuführen, dass die Meereswogen hier auf eine Steilküste treffen. Bei starkem Hochwasser oder Sturmfluten untergraben sie diese von unten. Regen und Sickerwasser lockern den oberen Teil, der dann nach einiger Zeit auf den Strand hinabstürzt. Hier bildet der abgesackte Teil zunächst eine Barriere, die den Wogen jedoch nicht lange standhält, sodass sie bald wieder ihr zerstörerisches Werk fortsetzen können.

Begrenzte Mittel

Da man beim Bau der Kirche nur über begrenzte Mittel verfügte, wurden nur die Lisenen (Wandverstärkungen) aus Ziegelsteinen errichtet, während die dazwischen befindlichen Wände aus am Strand gefundenen Steinen und Kalkmörtel bestehen. Da dies keine stabile Konstruktion darstellte, mussten die Mauern mehrfach repariert werden. 

Die gesamte Südmauer wurde – wie dort vermerkt – im Jahre 1787 umgebaut. Auch an der westlichen Giebelseite wurde nach dem Abriss eines Turms in gotischem Stil gearbeitet. Der Turmbogen ist an der westlichen Innenmauer noch zu erahnen. Die Vorhalle entstand um das Jahr 1600.

Knochenreste am Strand

Das Kircheninventar wurde auf andere Kirchen verteilt. So befindet sich eine spätgotische, geschnitzte Altartafel in der Kirche in Lønstrup. Darauf ist die Jungfrau Maria mit ihrer Mutter St. Anna und dem Jesuskind zu sehen, ein beliebtes Motiv im 16. Jahrhundert.

Ein Granittaufbecken mit Messingschale von 1575 befand sich bereits seit 1928 in der Lønstrup Kirke. Das romanische, mit Pflanzenornamenten geschmückte Becken ist sicher so alt wie die Mårup Kirke.

Bei fortschreitenden Abbrüchen kann es vorkommen, dass Knochenreste auf dem Strand landen. Sie werden von Mitarbeitern des dän. Generaldirektorats für Forst und Natur eingesammelt und in ein besonderes Grab auf dem Friedhof von Lønstrup verbracht.

Ein großer Teil des gefährdeten Friedhofs, wo sich u. a. das ‚Seemannsgrab’ befand, ist bereits stark mitgenommen.

Es enthält die Gebeine von 226 Seeleuten, die hier beim Untergang der englischen Fregatte ‚The Crescent’ im Jahre 1808 ums Leben kamen. Das wird von manchen jedoch bezweifelt, zumal die geringe Größe des Grabes vermuten lässt, dass einige von ihnen anderswo begraben sein müssten. Vielleicht wurden hier nur 7 ertrunkene Offiziere bestattet. In der Lønstrup Kirke hängt eine Gedenktafel zu dieser Katastrophe.

Der an der westlichen Giebelseite liegende Anker, der von der ‚The Crescent’ stammt, wurde 1940 aus dem Wrack geborgen.

Im östlichen Teil des Friedhofs steht ein hölzerner Glockenturm mit einer Glocke von 1537. Sie wurde von Lars Klokkestøber gefertigt und trägt die Inschrift „Hilf, Jesus, Maria und Joseph!“

Die Geschichte der Kirche

Mårup Kirke wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet. Sie entstand im spätgotischen Stil und besteht aus einem rechteckigen Schiff sowie einem nahezu quadratischen Chor. Die ursprüngliche, für hiesige Backsteinkirchen typische Form ist an der Nordseite noch zu erkennen. Die Mauern sind mittels Lisenen (Wandverstärkungen) in 4 Felder eingeteilt. Sie werden nach oben von doppelten oder dreifachen Rundbogen abgeschlossen, die in Tierköpfen enden.

Ungewöhnlich viele Gräber
Mitarbeiter des dän. Nationalmuseums haben die Kirche auf Fresken untersucht, jedoch nur wenige, spärliche Reste gefunden, die man z. T. noch sehen kann.
Es wurden auch Ausgrabungen unter dem Boden der Kirche vorgenommen. Dabei wurden ungewöhnlich viele Gräber aus dem 17. und 18. Jh. registriert. Da einzelne Gräber sogar älter als die Kirche sind, weist das darauf hin, dass sich hier zuvor bereits ein Friedhof befand. Möglicherweise befand sich hier einst auch eine Holzkirche.

Bei den Untersuchungen der Innenwände wurden auch Reste von Ausschmückungen gefunden. Bei der ältesten von ihnen handelt es sich um einen doppelten Kreis, der in die Nordwand des Chores geritzt wurde. Er stammt möglicherweise noch aus der Zeit, als die Kirche geweiht wurde.

An verschiedenen Stellen im Inneren der Kirche finden sich spätmittelalterliche Spuren von Ausschmückungen (ca. um 1500).

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Friedhof, hölzerner Glockenturm und Anker

Mårup Kirke  

Auf dem windzerzausten Friedhof befinden sich zwar noch einige Familiengrabstätten, doch seit 1961 finden – außer einigen Urnenbeisetzungen – keine Beerdigungen mehr statt.

Das Schiffsmodell der Kirche

Mårup Kirke

Das in dänischen Kirchen traditionell befindliche Schiff wurde von Kaufmann Aksel Rosenkrantz Segelcke gestiftet. Es ist heute im Vendsyssel Historiske Museum in Hjørring zu sehen. Weiteres Inventar, wie etwa die aus der Mitte des 17. Jh. stammende Kanzel, befindet sich heute im Nationalmuseum.

Förderverein 'Mårup Kirkes Venner'

Mårup Kirke

Die Mitglieder dieses Fördervereins haben sich seit langen Jahren darum bemüht, die mittelalterliche Kirche zu erhalten. Es gelang ihnen im Jahre 2004, die Kirche wieder mit einem Teil ihres Inventars auszustatten. Die Vereinsmitglieder treffen sich das ganze Jahr über in der Kirche, wo gesungen und etwas über ihre Geschichte erzählt wird.
Hier erfahren Sie mehr über den Förderverein 

Eine sehenswerte Kirche

Die Mårup Kirke ist in der Zeit vom 1. Juni bis zum 1. September von morgens bis abends geöffnet. Zu anderen Zeiten kann man den Schlüssel zur Kirche gegen Hinterlegung eines geringen Betrages im Fremdenverkehrsbüro Lønstrup ausleihen. Der Förderverein ‚Mårup Kirkes Venner’ kümmert sich zudem an Wochenenden und Feiertagen darum, dass hier geöffnet ist.